Hallo ihr,

Mir gefällt die Idee die Nachrichten ansprechender zu gestalten und vor allem den Bezug zu dem eigenen Leben zu schaffen, um die Nachrichten “nutzbar” zu machen. Ich habe jedoch auch ein paar Kritikpunkte an der bisherigen Durchführung der Kampagne. Und auch generell an Nachrichten.

Kritik an Beiträge-basierten Nachrichten

Prägnanz

beim Lesen des Artikels bin ich auch schon müde geworden - viele Worte  von “wir wollen was ändern” aber erst am Ende die Links wo man sehen kann wie das Projekt zurzeit aussieht, nichteinmal ein Link auf die offizielle Website. Mir fehlt es etwas an Prägnanz. Was nehme ich jetzt aus dem Text mit?

Ich habe gerade tagesschau.de geöffnet und sehe den Artikel “Nawalnys Mutter erhält Zugang zum Leichnam”. Wenn ich mich gefragt habe, ob denn jetzt die Mutter von Nawalny den Leichnahm ihres Sohns wieder sehen darf, dann ist der Artikel dazu eine tolle Antwort auf meine Frage. Wenn ich jetzt jedoch wissen will, wer Nawalny überhaupt war, welche Relevanz die Nachricht überhaupt hat und in welchem Kontext die Nachricht steht, finde ich dazu ersteinmal keine Informationen. Ich kann nicht erkennen, welche Informationen ich daraus für mein eigenes Verhalten ziehen kann und welchen Mehrwert mir dieser Artikel gibt.

chronologische Vermittlung von Information

wie informiere ich mich am besten über den Ukraine Krieg?

Die Informationen, die ich benötige und die mich interessieren sind verteilt auf mehrere Beiträge (=Artikel, Nachrichtensendungen, Informationsquellen). Die Beiträge behandeln dann immer irgendein eine Momentaufnahme der aktuellen Situation oder eine Entwicklung von vorherigen Ereignissen, immer bezogen auf ein spezifisches Unterthema oder einen gegebenen Kontext.

Hier finde ich schwierig den Überblick zu behalten und ich will auch nicht aus allen Kanälen alle Nachrichten durchforsten, um zu schauen ob es zu dem Thema noch weitere Informationen gibt.

Nachrichtenkonsum

An dieser Stelle frage ich mich, inwiefern es sinnvoll ist, mehr Online Content anzubieten. Die Plattformen sind vielleicht zielgerichteter und sprechen jüngere Menschen mehr an, ändern aber nichts an der Aufnahme der Informationen.

Wenn ich Nachrichten schaue, dann werden Informationen zu mir getragen, nach denen ich nicht gefragt habe. Ich kritisiere daran, dass die Nachricht zu einem Konsumgut wird und die Zusammenhänge nicht ausreichend hinterfragt werden. Wenn ein Kurzvideo in meinem Instagram Kanal auftaucht, dann entscheide ich mich in dem Moment der Nachricht zu glauben, oder ihr zu widersprechen. Ich führe in den wenigsten Fällen eine eigene Recherche durch. Dieser Umgang mit neuen Informationen hat in meinen Augen das Potential Meinungsunterschiede zu verstärken, da Informationen (die uns evtl. nicht mal betreffen) von uns Menschen dann nur noch wiedergegeben, aber nicht verstanden werden.

In meinen Augen basiert ein großer Teil der (politischen) Konflikte darauf, dass Menschen aneinander vorbei reden. Gerade in einem Zeitalter, in dem man zu jedem Standpunkt eine passende Quelle und Interessensgemeinschaft finden kann, finde ich es wichtiger den je, dass aufbauend auf einer gemeinsamen Basis diskutiert wird. Das sieht man beispielsweise in jeder Wahlkampffernsehshow: Leute kriegen Fragen gestellt, die sie nicht beantworten. Eigene Versäumnisse werden durch Vorwürfe an die anderen überspielt, etc. Ich finde dabei ist das Problem, dass dadurch alle zuschauenden Personen in ihrer Meinung bestätigt werden können: die Person der man zuhören will hat Recht.

Daraus entsteht eine wilde Dynamik und führt auch zu den “Bubbles” in denen man sich aufhält. Jede Person ist im Recht: sowohl Linksextreme als auch Rechtsextreme denken, dass ihre Überzeugung die Richtige ist. Ein Freund von mir hat sich einmal mit einem rechtsextremen Menschen ausführlich unterhalten und festgestellt, dass beide eigentliche gleiche Ansichten haben, aber unterschiedliche Auffassungen davon, welche politischen Entscheidungen getroffen werden müssen, um diese Ansichten zu erreichen.

Was ich mir wünschen würde

  • gemeinsame Diskussionsbasis
  • eine Synthese von allen Beiträgen zu einem Artikel o z. B. zu einer Übersichtsseite, auf der neue Information ergänzt werden
  • Ursache-Wirkungs-Beziehungen
  • Verknüpfungen von verschiedenen Standpunkten zu einem Thema o Ursache-Wirkungs-Beziehungen
  • Einbettung in Kontext o Relativierung von Aussagen o Validierung von Argumentationen
  • Information über Alternativen

Eine erste Idee

Wie man so etwas umsetzen könnte weiß ich auch nicht, aber ein Konzept was ich ganz toll finde, ist das der “Discourse Graphs”.

Hier wird eine Art der Kommunikation gewählt, die auf Fragen, Standpunkten, Argumenten und Quellenbelegen basiert.

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Ein Problem kann so aufgedrisselt werden:

Man hat man dadurch eine gemeinsame Externalisierung der gegenwärtigen Standpunkte. Das ist natürlich sehr schematisch und kann auch erstmal als “zu viel” wirken, bietet aber eben eine gemeinsame Diskussionsbasis. Das Schema kann ja immer noch durch Tagesschau-Beiträge oder Instagram Videos ergänzt werden, um auf die Themen aufmerksam zu machen. Wenn man sich dann aber damit auseinandersetzen will hat man zumindest eine Möglichkeit die Informationen einzuordnen und zu bewerten.

Ich fände es toll, wenn so etwas beispielsweise in einem Wahlkampf verwendet wird. Es ist übersichtlich, die Standpunkte von Personen sind direkt zu erkennen und mit Argumenten und Quellen belegt. Es fällt sofort auf, auf ein Argument nicht eingeht, oder keine Belege aufführen kann.

Wenn jemand mit irgendeinem Gelaber ankommt, habe ich eine Möglichkeit die Informationen zu bewerten und in andere Beziehungen einzuordnen. Ich kann dann meiner Gegenüber sagen: hey schau mal, so seh ich das und vielleicht entsteht dadurch ja ein Konsens.

Zusammenfassend unterstütze ich die Zielsetzung vonUseTheNews, glaube aber dass der Ansatz nicht viel ändern wird. Für mich persönlich brauche ich einen anderen Zugang zu Nachrichten, als chronologische Beiträge.

Was denkt ihr dazu? Wie informiert ihr euch? Wie kommt ihr aus eurer Bubble raus? Seid ihr mit ähnlichen Problemen konfrontiert? Habt ihr vielleicht Lösungsvorschläge?

Ich freu mich auf euren Input,

euer Yannik


Link-Tipp: Die IntitiativeUseTheNews will gegen Nachrichtenmüdigkeit vorgehen (tagesschau.de) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/use-the-news-100.html .. damit Nachrichten euch eher erreichen